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Mai 2008: Alexander Konrad

Alexander Konrad (46) ist Leiter Presse/Kommunikation der Handwerkskammer Düsseldorf und des Nordrhein-Westfälischen Handwerkstags.

Herr Konrad, als Pressesprecher der Handwerkskammer Düsseldorf haben Sie tagtäglich mit den Medien zu tun. Welche Erfahrungen machen Sie mit Presse, Funk und Fernsehen als Vertreter der Öffentlichkeit?

Konrad: Gute – als Dienstleister. Wer prompt und passend liefert, findet Beachtung. Diffizile – als Pressure Group. Wir sind noch ein Stück entfernt davon, die volle thematische Oberhoheit über die Mittagskonferenzen der Tagespresse zu haben.

Gute Kontakte helfen, insbesondere dann in den Medien stattzufinden – und das durchaus auch überregional –, wenn sich Themen-Konjunkturen ausnutzen lassen. Beispiel: Auf die Aktienkrise hin eine Blitzumfrage unter Mitgliedsunternehmen platzieren, inwieweit die Banken bereits auf die Kreditbremse treten.

Was sind weitere Themen, die die Öffentlichkeit interessiert – und wie kann es gelingen, dieses Interesse zu befriedigen?

Konrad: Handwerk ist zum Glück überall, konkret und glaubwürdig. Handwerker punkten als Arbeitgeber und Ausbilder, stiften im Schnitt in drei Vereinen und Verbänden Gemeinsinn vor Ort, frappieren mit Produkten und Services. Wie jener Dachdecker-Unternehmer vom Niederrhein z. B., der nicht nur gute Geschäfte in England macht, sondern als begeisterter Hobby-Pilot gleich noch einen Flugdienst für andere Handwerker mit England-Business unterhält.

Handwerk ist unverzichtbarer Versorger, bedeutendster Wandler von Technik in Dienstleistungen – kein CO2-Ziel ohne die Energieexperten vom Bau und Ausbau. Und noch wichtiger: Handwerk ist der beschäftigungsstärkste Wirtschaftssektor. Wie Gesetzesprojekte sich auf die Unternehmen und Arbeitnehmer auswirken, kann beispielhaft am Handwerk abgelesen werden. Es gelingt gelegentlich, die Kollegen auf der anderen Seite des Schreibtischs davon zu überzeugen, dass das Handwerk der Puls der Wirtschaft ist.

Welche Themen besetzen Sie Ihrerseits aktiv in der Presse? Und warum?

Konrad: Ich biete permanent Informationen rund um die wirtschaftliche Lage im Handwerk. Denn jeder sechste Medienkonsument arbeitet im Wirtschaftszweig; seine Zukunft steht und fällt mit dem Wohl und Wehe des Sektors. Der Veranstaltungskalender unseres Hauses – und auch der Landeshandwerksvertretung, für die ich ebenfalls tätig bin –, liefert zwei weitere griffige rote Fäden für proaktive Pressearbeit: die Themen Ausbildung und Ethik der Wirtschaft. Ob Projektwoche der Partner-Realschule in unserem Bildungszentrum oder zentrale Meisterfeier – die implizite Überschrift lautet stets: Handwerk ist Qualifizierung oder es ist kein Handwerk.

Und Handwerk ist ethisches Wirtschaften. Rentabilität und Menschlichkeit. Auch dazu liefern wir ständig – und mit wechselnden Partnerorganisationen von der politischen Stiftung über den Sozialverband bis hin zum konfessionellen Bildungsträger – Gesprächsstoff durch Foren, Symposien, Publikationen.

So richtig Schwung kommt aber erst aufs Rad, wenn der Glücksfall begnadeter Kommunikatoren und Themen-Scouts an der Spitze des Hauses den Mittler-Auftrag des Pressesprechers erleichtert.

Welche Strategien haben sich in PR und Kommunikation bewährt?

Konrad: Wir machen gute Erfahrungen mit strategischer Kommunikation per Campaigning. Speziell auf Medienwirkung angelegte PR-Aktivitäten stimulieren Interesse für ein Anliegen über einen längeren Zeitraum. Ob die mehrwöchige Bus-Tour „Handwerk PAKT an“ mit Station in zahlreichen engagierten Ausbildungsbetrieben, um zusätzliche Lehrstellen zu generieren, oder die Energiespartipps-Serie im Internet für Hauseigner und Mieter „Energiekosten senken – und zwar jetzt!“ – wichtig ist, mit einem klaren, leistbaren Konzept und einem griffigen Claim so viele Berichtsvorfälle wie möglich auszulösen.

Gehen Sie auch innovative Wege?

Konrad: Es ist generell nicht einfach für Kammern und Verbände, auf den klassischen medialen Trampelpfaden die Zielgruppe „U 40“ zu erreichen. Wir probieren derzeit, Schüler und Berufsanfänger per Podcast in den Handwerksorbit zu locken, und arbeiten dabei mit YouTube zusammen. Ein Renner war etwa unser Video über den Vorausscheid zur deutschen Meisterschaft im Nail Design, einem neuen Tätigkeitsfeld des Handwerks (und, was die erforderliche Qualifizierung betrifft, unserer Kammer) rund um Schönheit und Gesundheit. Die verrückten grafischen Acryl-Welten auf zwei Quadratzentimeter Fingernagel haben mehr als 1000 Surfer gleich am ersten Tag auf die Webseiten unseres Bildungszentrums gesaugt.

Wie kann es Ihrer Meinung nach gelingen, das Image des gesamten Deutschen Handwerks nachhaltig zu stärken?

Konrad: Die Kampagne des französischen Handwerks „L’Artisanat – Premier Entreprise de la France“ hat ihr Doppel-Ziel, den Wirtschaftszweig in der Wahrnehmung der dortigen Öffentlichkeit raus aus dem Mief von Hinterhofwerkstätten zu führen und unter Jugendlichen als ernstzunehmende Berufsalternative zum Studium zu etablieren, voll erreicht, wie wiederholte Umfragen belegen.

Hierzulande, mit Blick auf das härter werdende Ringen um die guten Schulabgänger der Zukunft, mit dem Rückenwind des aktuellen Beschäftigungsaufbaus und eines – nach Allensbach – verbesserten Service-Image unseres Wirtschaftszweiges, hielte ich eine vergleichbar professionelle, crossmediale Kampagne à la „Handwerk – Deutschlands Erstes Unternehmen“ für ähnlich aussichtsreich.


Alexander Konrad

 

Alter: 46 Jahre

Geburtsort: Frankfurt am Main

Ausbildungsweg: Studium der Geschichte, Politikwissenschaften und Völkerkunde sowie verwaltungswissenschaftliches Aufbaustudium.

Beruflicher Werdegang: Seit 1989 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kommunalpolitik in Freiburg. Ab 1991 Presse- und Fachreferent beim Sächsischen Städte- und Gemeindetag in Dresden. Wechsel als Assistent des Vorstands und der Geschäftsführung und Pressereferent zur Architektenkammer Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf im Jahr 1993. Von 1995 bis 2007 Geschäftsführer der Nachwuchsorganisation Junioren des Handwerks – Landesverband NW und des Juniorenkreis Handwerk bei der Handwerkskammer Düsseldorf. Seit Ende 1995 bei der Handwerkskammer Düsseldorf und dem Nordrhein-Westfälischen Handwerkstag beschäftigt – zunächst als Pressesprecher, später als Leiter Presse/Kommunikation.